Aserbaidschan

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Aserbaidschan

Zehn Tage reiste ich durch Aserbaidschan und legte in dieser Zeit 817km zurück. In Balakän kam ich ins Land und fuhr am Fuße des großen Kaukasus entlang nach Baku. Von dort führte die Reise gen Süden nach Astara und weiter in den Iran. Die Landschaft war zunächst noch grün und waldig. Um so näher ich Baku kam, desto mehr Steppe war zu sehen.

In Aserbaidschan fühlte ich mich ein bisschen wie in der Türkei, da die Leute ähnlich gastfreundlich, kontakt- und spendierfreudig waren. Die aserbaidschanische Sprache ähnelt als Turksprache dem Türkischen sehr und ich konnte dadurch ein paar Wörter verstehen. Doch auch der Einfluss der Russen war zu spüren. Überall wurde Bier und Wodka getrunken. Ich sah nur wenige, unauffällige Moscheen und die Muezzine riefen sehr leise. Die Frauen waren meist westlich gekleidet.

Auffällig viele Leute hatten Goldzähne oder ein komplettes Gold-Gebiss. Zu Sowjetzeiten galt es als extrem schick, sich Goldzähne setzen zu lassen und vielen Leuten fallen frühzeitig die echten Zähne aus, unter anderem wegen Jodmangel. Bemerkenswert risikoaffin war der Fahrstil der PKW-Fahrer. Diese besaßen das unglaubliche Talent, aus jeder noch so harmlosen Verkehrssituation einen Beinaheunfall zu machen. So schien es als Frage der Ehre zu gelten, einen waghalsigen Überholvorgang bei nahendem Gegenverkehr niemals abzubrechen, sondern bei voller Geschwindigkeit darauf zu hoffen, dass drei Autos schon irgendwie aneinander vorbei passen. Für mich als Radfahrer war der Straßengraben bald ein vertrauter Fluchtweg.

Die Leute in Aserbaidschan, insbesondere die Männer, sind extrem neugierig und können bei ihren Fragereien und Fahrradbegutachtungen eine erstaunliche Hartnäckigkeit entwickeln. Bei meinen Stopps standen häufig mehrere Leute um mein Rad und befummelten oder kommentierten jedes Teil, das man irgendwie sehen und anfassen konnte. Keine Frage war zu albern, um sie zu stellen. Hier die Fragen, die es auf meine persönliche Hitliste geschafft haben:

Platz 3:   Ob ich Feuerwaffen dabei habe, um wilde Tiere und übles Gesindel zu vertreiben.

Platz 2:   Ob ich zum Eurovision Song-Contest angereist bin.

Und Platz 1:   Ob meine Zähne echt oder künstlich sind.

Auf dem Lande leben die Leute meist in recht einfachen Verhältnissen, Pferd und Esel sind häufig zu sehen. Baku hingegen schwimmt im Geld, das mit dem Erdöl verdient wird. Hier lassen sich deutsche Ingenieursgehälter verdienen, es stehen viele futuristische Gebäude herum und es sind sehr viele Edelkarossen auf den Straßen zu sehen.

Ich kam mit dem Rad durch ein Erdölförderfeld. Überall liefen rostige Pumpen und ich passierte erst einen giftgrünen, dann einen gelben See, am Rande jeweils mit Erdölablagerungen verziert. In der Luft lag ein stechender Geruch. Irgendwann fuhren ein Militärjeep und zwei Kettenpanzer an mir vorbei. Beruhigenderweise waren es zumindest Aserbaidschaner und keine US-amerikanischen Ölräuber.

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Mit dem Fahrrad quer durch Europa und Asien