Archiv der Kategorie: Der Nordamerika-Blog

Das ist der neue Blog zu unserer Nordamerika-Radreise – zu dritt – mit Fahrrad und Babyhänger! Viel Spaß beim Lesen!

Missoula

Reisepause. Wir sitzen in einem grossem Haus mit Garten. In Missoula, einer kleinen Studenten-Stadt in Montana. Die Bewohner des Hauses oeffnen ihre Tuer  fuer jeden Reiseradler, der hier durchkommt. Jeder darf hier uebernachten und bleiben solange er will. Als Gegenleistung beteiligen sich die Gaeste am Kochen, Putzen und helfen im Garten des Hauses mit.  Im Garten  stehen mehrere Zelte, allesamt von Reiseradlern, die hier auf der Durchfahrt sind. Eines der Zelte ist von uns. Nur – wir sind nicht auf der Durchfahrt, sondern machen hier Reisepause.

Die letzte Zeit war fuer uns sehr anstrengend gewesen. Hanna hielt vor allem Monika nachts auf Trab und tagsueber hiess es dann, die geplanten Etappen zu fahren, um zum naechsten Lebensmittelversorgungspunkt zu kommen.

Zwei Wochen wollen wir jetzt hier bleiben, ausschlafen und zum ersten mal auf der Reise ein paar Tage lang gar nichts tun.

Nachdem wir die Grenze zur USA ueberquert hatten, waren wir zum Glaciers Nationalpark gefahren. Dort waren wir fuer mehrere Tage geblieben, hatten an einem grossen See gezeltet und Wanderungen unternommen. Wir hatten unseren ersten Grizzli gesehen und eine Herde Schneeziegen entdeckt. Ich  hatte noch einen Schwarzbaeren aufgespuert und oberhalb der Waldgrenze einen Elch entdeckt. Auch wenn die Tierwelt uns dort eine nahezu heile Welt vorgegaugelt hatte,so ganz heil war sie dann doch nicht. Die Sicht in den Bergen war extrem truebe und diesig, obwohl meist strahlend blauer Himmel zu sehen war. Grund war der  hohe Aschegehalt der Luft, der seine Ursache in riesigen Waldbraenden in Kalifornien hatte. Waldbraende gibt es auch hier immer wieder, auf unseren Wanderungen waren wir mehrmals durch Gebiete gekommen, in denen der Wald abgebrannt war. Wenn der Brand schon lange genug her war, wuchs dann von unten neuer Wald nach.  Kurz nachdem wir den Glaciers Nationalpark verlassen hatten, sollte an dem See, an dem wir tagelang gezeltet hatten, ein weiterer Waldbrand ausbrechen.

So verstoerend, wie diese Waldbraende sind, sie sind hier Bestandteil eines natuerlichen Prozesses der Waldverjuengung. Die frueher hier lebenden Indianer hatten teils selbst Feuer gelegt, um zu dichte Waelder zu verhindern und damit den Wildreichtum zu foerdern, der ihre Existenzgrundlage bildete. Als dann die Weissen kamen, liessen diese den Wald wuchern und verhinderten mit technischen Mitteln fast einhundert Jahre lang die zyklischen Braende. Was zur Folge hatte, dass der Wildbestand zurueck ging und sich soviel Totholz in den Waeldern ansammelte, dass heute immer wieder unkontrollierbare, riesengrosse Waldbraende toben. Das Problem hat man mittlerweile erkannt und man versucht heute dort, wo moeglich, kleine kontrollierte Braende wieder zuzulassen.

Ueberrascht haben uns die Menschen in Montana. Immer wieder werden wir von Leuten angesprochen, die sich fuer das interessieren, was wir machen, einmal wurden wir direkt von der Strasse weg von Leuten nach Hause eingeladen, wo wir dann warmes Abendessen und Betten fuer die Nacht bekamen. Ein anderes mal wurden wir ueberredet, nicht wie geplant zu zelten, sondern in einer Huette auf Ferienhausnivau zu uebernachten. Der Mann, der uns dazu ueberredete, bestand darauf, die Rechnung dafuer zu zahlen und gab uns sogar das Geld zurueck, dass wir bereits fuer den Campingplatz gezahlt hatten. Er machte das, um uns amerikanische Gastfreundschaft zu zeigen und weil ihn unsere Art zu reisen so bewegt hatte.

Entlang der Strassen, auf denen wir fuhren, gab es immer wieder Masten, auf denen Weisskopfseeadler ihre Horste hatten. Man kennt das bei uns in Deutschland eigentlich eher von Storchennestern und immer wieder aufs Neue sind wir ueberrascht, wenn in diesen Nestern statt der  intuitiv vermuteten Stoerche Adler nisten.

Und nun- nun sitzen wir im im Haus unseres Gastgebers und geniessen das etwas ruhigere Familienleben. Hanna hat das Krabbeln gelernt, kann mittlerweile sogar Wendeltreppen hochklettern. Sie entwickelt und veraendert sich so schnell, dass wir manchmal meinen, versehentlich unser Kind vertauscht zu haben.

 

Grenzerfahrung

Vor wenigen Tagen haben wir unumkehrbar und unwiderruflich eine Grenze ueberschritten – die zwischen Kanada und der USA. Nun sind wir bereits im zweiten Land unserer Reise, das wir hin und wieder scherzhaft UST – die Vereinigten Staaten von Trump nennen. Seit anderthalb Monaten sind wir jetzt schon unterwegs, sind in Kanada von Nationalpark zu Nationalpark geradelt und haben zunehmend das Gefuehl, dass wir den Reisealltag, wenn schon nicht unter vollstaendiger Kontrolle, dafuer zumindest aber recht gut im Griff haben.

Hanna fuehlt sich pudelwohl und ist so ausgeglichen wie noch nie. Das muss wohl was mit der vielen frischen Luft zu tun haben, mutmassen wir. Oder damit, dass der Mensch den groessten Teil seiner Existenz als Nomade auf der Welt umhergezogen ist und fuer diese Taetigkeit wohl nach wie vor sein Genmaterial optimiert ist. Hanna hat ihre Liebe zu Tieren aller Art gefunden und entdeckt  quietschend vor Freude Tiere im Wald oder Haustiere in Ortschaften manchmal schneller als wir. Was hinsichtlich ihres zarten Alters von nunmehr 7 Monaten etwas ueberraschend fuer uns ist.

Nach unserer Durchquerung der kanadischen Rockies sind wir durch eine Ortschaft gekommen, die von den Menschen Radium Hot Springs genannt wird und in der sich neben den Menschen eine Herde Bighornschafe angesiedelt hat, die um die 200 Tiere zaehlt. Ab und zu wird zwar mal ein Herdenmitglied (hier sind jetzt die Bighornschafe gemeint, nicht die Menschen) vom Auto ueberfahren oder von den dortigen Pumas verspeist, aber das scheint die Schaefchen nicht sonderlich aus der Fassung zu bringen. 

Schaefchen hin, Pumas her, wir sind nun mittlerweile in Montana unterwegs und sind gespannt darauf, was hier alles an Erlebnissen auf uns wartet.

Das Reisen mit Baby lernen

„Jippie, die ersten 2 Kilometer unserer Radreise haben wir schon geschafft“, rufe ich euphorisch, als wir vom Campingplatz in Jasper zu unserer ersten Tagesetappe aufbrechen. „In einer Viertelstunde müssen wir Pause machen und Hanna füttern“, antwortet Monika. Inzwischen haben wir begriffen, das das Radreisen mit Baby etwas völlig anderes ist als eine Reise zweier Erwachsener. Unser Plan ist, von Jasper in Kanada bis nach New Mexico in den USA zu radeln – mit zwei Fahrrädern und einem Babyhänger. Die erste Woche haben wir es kaum geschafft, den Campingplatz zu verlassen. Wir mussten lernen, wie man mit Baby zeltet, wie man mit einem Campingkocher ohne Pürrierstab Babybrei zubereitet und wie man neben Füttern, Stillen, Babybespaßung, kochen, essen, Wäsche waschen und Windeln wechseln Zeit findet, um das Zelt abzubauen, das Fahrrad zu bepacken und loszufahren, bevor es wieder Abend geworden ist. Inzwischen schaffen wir es, uns 3h nach dem Aufstehen auf die bepackten Räder zu setzen und 3h nach Ankunft am Tagesziel mit der abendlichen Arbeit fertig zu sein. In der Zwischenzeit haben wir es geschafft, per Rad von Jasper bis nach Lake Louise zu kommen und die eine oder andere Wanderung zu unternehmen. Wir sind in einer malerischen Landschaft mit türkisfarbenen Seen und Flüssen, tiefen Wäldern und faszinierenden Gletschern unterwegs, haben praktisch von der Straße aus Wapitis, Bighornschafe, Adler, Ziesel, Murmeltiere und Schwarzbären beobachtet und bilden uns ein, daß wir dabei sind, so etwas wie einen Alltagsrythmus zu finden. Und wir sind gespannt auf das, was vor uns liegt.

Bald gehts los!

Bald gehts los!

Seit Wochen und Monaten bereiten wir uns vor. Für unsere Radtour zu dritt  durch Kanada und die USA. Ein halbes Jahr haben wir Zeit, um vom Jasper-Nationalpark in Kanada bis runter nach New Mexiko in den USA zu kommen. Zumindest ist das die verwegene Idee. Und wir, das sind  meine Frau Monika, ich und  unsere Tochter Hanna, die nun bald 6 Monate alt wird. Meine Frau und ich werden die Pedale unserer Reiseräder treten und Hanna wird im Babyhänger mitfahren. Verrückt? Ja. Unmöglich? Hoffentlich nein. Die nahe Zukunft wird es zeigen. Wie es uns auf unserem neuen Reiseabenteuer ergeht, könnt ihr hier im Blog nachlesen. Wir werden uns bemühen, an dieser Stelle immer mal wieder etwas zu posten.