Die Tour auf einen Blick

Stephan:

 

„In München begann die Reise. Ich fuhr zunächst an der Donau entlang aus Europa heraus. Über einen Zipfel Griechenlands kam ich in die Türkei, die ich im Norden gen Osten durchquerte. Über Georgien ging es weiter nach Aserbaidschan und Baku. Dort entschied ich, über den Iran weiterzufahren, da so kurz vor der Präsidentschaftswahl in den USA hinsichtlich des schwelenden Atomkomflikts  wohl kein Bombenangriff auf den Iran  zu erwarten war.

Dennoch sollte mich hier das Schicksal treffen. Ein Auto fuhr mich von hinten an und aufgrund einer Muskelverletzung war ich gezwungen, nach Deutschland zurückzukehren. Es sollte über drei Monate dauern, bis ich  wieder vollständig gesund war.  Da nun bereits der Winter vor der Tür stand, stellte das Pamirgebirge, welches ich als Nächstes durchquert hätte, wegen des Schnees eine wohl unüberwindliche Barriere dar.

Also flog ich nach China in die Provinz Qinghai, wo ich über den Himalaya bei starkem Wind und grimmiger Kälte nach Süden fuhr. In Chengdu stieß schließlich Monika zu mir und wir fuhren gemeinsam bis nach Thailand weiter. Laut Plan wäre die Reise hier zu Ende gewesen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich aber so stark im Nomadentum eingelebt und war noch so neugierig auf das, was an menschlichen Begegnungen und Ländern noch vor mir lag, daß es mir absurd schien, an dieser Stelle  wieder heimzufliegen. Also setzte ich die Reise gen Süden fort, während Monika aus beruflichen Gründen wieder nach Hause musste.

In Malaysia nahm ich eine Fähre zur indonesischen Insel Sumatra und überquerte auf dieser schließlich den Äquator. Ich setzte nach Java über, durchquerte auch diese Insel und kam nach Bali, wo es schien, daß mir wegen der hohen Dichte an Eindrücken und Erlebnissen bald der Kopf auseinanderplatzen würde.

Ich entschied, die Reise hier zu beenden. Am äußersten Zipfel Asiens angekommen hatte ich auf Bali einen kulturellen Reichtum und eine Musik kennengelernt, die mich am Ziel meiner Reise wähnen ließen, obwohl ich nicht aufgebrochen war, irgend etwas zu suchen.

Doch bevor ich endgültig nach Hause zurückkehrte, flog ich nach Zentralasien. Ich wollte nun noch den Streckenabschnitt der ursprünglich geplanten Route befahren, den ich wegen des Unfalls hatte auslassen müssen. In Usbekistan tauchte ich ein in die Welt der Seidenstraße, zentralasiatischen Steppe und der Hirten auf ihren Eseln. Über Tadschikistan, das wilde Pamir- und Alaigebirge und einen Zipfel Kirgisiens radelte ich nach China, wo ich am Südrand der Taklamakan entlang fuhr und wieder nach Xining in der Provinz Qinghai gelangte. Dort war ich im Spätherbst des Vorjahres in das Himalaya gestartet und von hier kehrte ich schließlich nach Hause zurück, im Gepäck einen Riesenberg von Erlebnissen, Grenz- und Selbsterfahrungen, Denkanstößen und soziokulturellen Einblicken, den zu verarbeiten ich bis heute beschäftigt bin.“

Mit dem Fahrrad quer durch Europa und Asien