Georgien

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Georgien

16 Tage habe ich in Georgien verbracht und bin in dieser Zeit 718 km mit dem Rad gefahren. In Batumi bin ich ins Land gekommen und habe es hinter Lagodekhi wieder verlassen, um nach Aserbaidschan zu fahren.

Augenscheinlich waren mit dem Verlassen der Türkei Kirchen statt Moscheen, Frauen im Minirock statt mit Kopftuch, deutlich ungepflegter herumlaufende Männer und öffentlicher Alkoholgenuss statt Teerunde. Auf vielen Straßen standen oder lagen Kühe auf der Straße und die Autos fuhren im Slalom um die Tiere herum.

Die Straßen wurden neben Kühen von sowjetischen Jeeps und Lkw’s, aber auch von deutschen Lieferwagen oder Handwerkerautos, bei denen stets noch die Originalbeschriftung vorhanden war, bevölkert. Es regnete ein paar mal recht heftig und da meist die Kanalisation fehlte oder schlecht funktionierte, bildeten sich dann kleine bis zu 30cm tiefe Seen auf den Straßen der Ortschaften. Darunter waren dann oftmals noch Schlaglöcher verborgen und ich war froh um meine gefederte Sattelstütze. In Georgien gab es auch erstmals längere Streckenabschnitte auf Rüttelpisten ohne Straßenbelag.

Die Leute in Georgien waren meist freundlich, aber nicht ganz so kontaktfreudig wie die Türken. Viele beschränkten sich aufs Staunen und Starren, wenn ich vorbei fuhr. Wenn mich Leute zu sich heran winkten, galt es meist Wein, Bier und Wodka sowie einen kleinen Imbiss zu vertilgen. Ich hatte manchmal Mühe, den Leuten zu erklären, dass große Mengen an Alkohol sich mit Hitze und Fahrradfahren nur bedingt vertragen.

Auch in Georgien wurde ich zur Übernachtung von Leuten eingeladen. Anders als in der Türkei wurden dann aber nicht alle Wünsche sofort von den Augen abgelesen und es gab nicht diesen Wir-haben-einen-Gast-Ausnahmezustand. Im kleinen Kaukasus war ich in einem Bergdorf bei einer Großfamilie zu Gast, die in einem wunderschönen Holzhaus wohnte. Hier wurden Butter und Käse noch selbst gemacht und der Speiseplan sah recht deutsch aus. Der Hausherr war mit seinen 45 Jahren bereits Opa.

Unterwegs gab es neben dem Kleinen den Großen Kaukasus, Stalins Geburtsstadt Gori sowie viele Bergkirchen und Burgen zu sehen. Da Georgien sehr früh christianisiert wurde, stehen viele Kirchen aus dem 6. oder 7. Jahrhundert herum, sofern sie nicht einem der Erdbeben oder Kriege zum Opfer fielen. Die beeindruckendsten Anlagen waren ein Kloster in Vardzia, dass mitsamt Wirtschaftsgebäuden in eine Felswand hinein gemeißelt war sowie eine komplette Stadt, die auf einem Berg ebenfalls in den Felsen gehauen war. Letztere, mit dem Namen Uplistsikhe, wurde bereits im vierten Jahrhundert vor Christus angelegt und war der wohl mystischste Ort, den ich je besucht habe.

Quasi das georgische Nationalinstrument ist die Panduri, eine Art dreiseitige Gitarre, die zum Teil von einer Trommel begleitet wird. Viele Georgier spielen sie und es gibt viele uralte Volkslieder, die dazu gesungen werden. In Tiflis erlebte ich einmal mit, wie sich mehrere Leute abends recht spontan zu einander gesellten, stundenlang Panduri spielten und recht ergreifend mehrstimmig dazu sangen.

Der Tourismus schien mit der Brechstange angekurbelt zu werden. Überall gab es Hinweisschilder zu jeder noch so unscheinbaren altertümlichen Steinanhäufung und in einigen Orten wurden „Restaurationsarbeiten“ an Burgruinen durchgeführt, die anschließend im komplett neuaufgebauten Zustand da standen. An jeder noch so kleinen Sehenswürdigkeit gab es ein Schild inklusive detaillierter Maßangaben des Objekts und einem kleinen Geschichtsexkurs.

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Mit dem Fahrrad quer durch Europa und Asien