Kambodscha

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Ende Februar waren wir von der laotischen Grenze ins Land gekommen und eine teils abenteuerliche Straße nach Siem Reap gefahren, wo wir uns die Tempelruinen von Angkor anschauten. Von dort war es weiter gen Westen und Thailand gegangen. 9 Tage hielten wir uns in Kambodscha auf und waren 626 km durchs Land pedalt.

Kambodscha schien allgemein noch weniger entwickelt als die von uns bereiste Gegend in Laos zu sein. Strom ist extrem teuer, sauberes Trinkwasser war häufig nicht verfügbar, asphaltierte Straßen gab es nur wenige. Die Leute waren uns gegenüber unglaublich nett und warmherzig. Die Frauen trugen auffallend häufig eine Art Schlafanzug auf der Straße und wie in Laos gab es auch in Kambodscha ein paar Männer, die im Wickelrock herumliefen.

Zu essen gab es Reis oder Nudeln mit Hühnerfleisch oder Schweinefleisch und Gemüse. Man bereitete das Fleisch gern süßlich zu, in der Soße schwamm dann auch gern etwas Ananas herum. Und, in Kambodscha sahen wir das erste Straßenlokal, in dem ausschließlich Hundefleisch angeboten wurde. Als Naschwerk zwischendurch standen kleine, in Salzwasser gekochte Schnecken hoch im Kurs, die mit einem Holzstäbchen aus ihren Schneckenhäusern gepult wurden.

Aufgrund der kriegerischen Vergangenheit liegen überall im Land verstreut noch Minen und Blindgänger herum. Die USA bombardierten während des Vietnamkrieges auch Kombodscha mit ihren Clusterbomben, später legten die Vietnamesen im Kampf gegen die Roten Khmer den weltweit größten Minengürtel im Osten des Landes, die Roten Khmer wiederum legten in ihrem Guerilla-Krieg im Landesinnern ebenfalls Minen. Die touristischen Ziele wurden ab Ende der Neunziger meist mit Hilfe ausländischer Unterstützung gesäubert, doch eine ganzheitliche Säuberung hat es bis jetzt nicht gegeben und ist wohl auch nur schwer zu bewerkstelligen. Diverse Menschen mit amputierten Beinen zeugen von diesem traurigen Thema. Noch immer sterben jährlich rund 270 Menschen an Minen und Blindgängermunition. Die jüngere Generation macht aber insgesamt einen recht fröhlichen, tatkräftigen und optimistischen Eindruck und wir hatten, was die Zukunft des Landes angeht, ein recht positives Gefühl.

Eine weitere Schattenseite war das Thema Brandrodungen. Überall seitlich der Straßen wurde, sofern noch existent, der Wald abgebrannt, um später Felder auf diesen Flächen anzulegen. An manchen Stellen waren die Brände so intensiv, dass wir beim Fahren husten mussten und sich eine graue Ascheschicht auf unserer Haut bildete. Wir hatten das Gefühl, dass die Ärmsten der Armen diejenigen sind, die die Rodungen durchführen, um sich sozusagen aus dem Nichts heraus eine bäuerliche Existenz aufzubauen. Eine Studentin des Fachs Umweltressourcenmanagement, die wir unterwegs trafen, meinte aber, dass das Thema Brandrodungen als allgemeines Problem eingestuft wird, aber viele einflussreiche Leute viel Geld dabei verdienen und man es deshalb nur schwer stoppen kann.

Die Ruinen in Angkor und ein paar andere in der weiteren Umgebung waren beeindruckend. Die Khmer hatten hier ab dem 9. bis ins 13 Jh. Tempel und Städte gebaut, deren Ruinen sehr imposant und teils wildromantisch vom Dschungel überwuchert sind. Die Stadt Angkor Thom etwa gilt mit einer damaligen Einwohnerzahl von schätzungsweise einer Million Menschen als die weltweit größte mittelalterliche Stadt.

 Auf einer staubigen Dschungelpiste trafen wir Ian, einem Radreisenden aus England, der seit 18 Jahren mit dem Rad durch Südostasien fährt. Er kennt in manchem Land fast jede größere Strasse und er kann sich nicht vorstellen, mit dem Radfahren irgendwann aufzuhören. Weil die Menschen in Kambodscha uns gegenüber so natürlich und nett waren, waren wir ein wenig traurig, das Land bereits nach neun Tagen wieder zu verlassen.

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Mit dem Fahrrad quer durch Europa und Asien