Laos

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Laos

Ende Januar sind wir in Boten aus China kommend über die Grenze nach Laos gekommen. Wir fuhren dann nach Vientiane und fuhren ein Stück auf der thailändischen Seite des Mekongs. In Savannakhet kamen wir wieder nach Laos und folgten dem Mekong nach Süden. In Bungngam verließen wir schließlich das Land über die südliche Grenze. Im laotischen Teil der Strecke hielten wir uns 27 Tage auf und fuhren 1500km.

Der Norden des Landes war sehr grün, gebirgig und landschaftlich sehr reizvoll. Die Leute, die hier lebten, wohnten meist in Holzhütten, die auf Stelzen stehen und führten ein sehr einfaches Leben. Der Süden des Landes war sehr flach, zum ersten mal seit mehreren Monaten fuhren wir über viele Tage nur in der Ebene und wir genossen das. Meist wuchs hier savannenartiger Wald oder es gab Reisfelder. Der Süden des Landes schien ein klein wenig entwickelter als der Norden zu sein.

Entlang der Nationalstraße, die als mehr oder weniger einzige durchgehende Verbindung das Land von Norden nach Süden durchzieht, haben die Leute augenscheinlich eine Überdosis an vorbeifahrenden Touristen bekommen. Wir trafen hier täglich Motorradfahrer oder andere Fahrradfahrer, ein ziemlich schroffer Kontrast zu mehreren Monaten China, in denen wir gar keine westlichen Touristen auf der Straße getroffen hatten. Die Leute verhielten sich uns gegenüber an dieser Straße sichtlich distanzierter als in Gegenden jenseits dieser Hauptstraße, wobei die Leute im Süden des Landes insgesamt etwas offener als im Norden wirkten.

Einigermaßen überrascht stellten wir denn auch fest, dass es in Laos erste Ansätze von Massentourismus gibt. In manchen Orten schien es mehr Badeschlappentouristen als Einheimische zu geben. Das hinterlässt natürlich seine Spuren im Verhalten der lokalen Bevölkerung. Eine dementsprechend recht bizarre Stilblüte war „Eintrittsgeld“ für manche Brücken, das jeder ausländische Tourist beim Überqueren zu entrichten hatte. Es gab dafür sogar richtige Eintrittskarten. Da man aber immer irgend eine andere Brücke nutzen konnte, auf der es keinen Ticketverkäufer gab, blieb das Ganze stets lustig.

Insgesamt waren die Menschen in Laos aber sehr freundlich, hilfsbereit und respektvoll. Die Kinder waren in Laos deutlich kontaktfreudiger als in China. Wenn wir vorbeifuhren, kamen sie meist lachend angerannt und riefen uns etwas zu, anstatt uns wie in China anzustarren oder sogar wegzulaufen. Die Hunde in Laos machten meist keinerlei Anstalten, bellen zu wollen sondern schliefen auf der Straße oder dösten vor sich hin. Es war meist sehr warm, so warm, dass man meist morgens schon anfing zu schwitzen. Wir gewöhnten uns deshalb an, bereits um sieben Uhr morgens loszufahren.

Laos ist buddhistisch, man praktiziert den Theravada-Buddhismus, die älteste heute noch existierende buddhistische Schule. Nahezu jedes Dorf hat einen Tempel mit ein paar Mönchen. Morgens kommen Frauen aus dem Dorf in den Tempel und bringen den Mönchen Essen, in der Regel Reis mit Grünzeug. Die Leute hoffen, durch diese Wohltaten die Anzahl ihrer Wiedergeburten zu verringern. In Lua Prabang, einer Stadt im Norden des Landes, laufen die Mönche morgens durch die Straßen, wo sie dann von den Leuten Essen erhalten.

Neben dem Buddhismus gibt es im Norden des Landes auch noch animistische Traditionen. Wir waren einmal zugegen, als in einer Hütte eines kleinen Dorfes ein Schamane mit verhülltem Gesicht und einer Rassel in der Hand umhersprang, tanzte und sang. Den Anwesenden wurde mit Ruß ein Kreuz auf die Stirn gemalt und vor einem geschlachteten Ferkel wurde ein Feuer entzündet.

Das laotische Standardessen schlechthin ist Klebreis mit Fleisch und Gemüse. Der Reis quillt über Nacht im Wasser und wird am nächsten Tag in einem Korb über dem Feuer gedünstet. Die Körner sind so klebrig, dass der Reis eine Konsistenz von Knetmasse bekommt. Der Reis wurde zu unserem Hauptnahrungsmittel, da oft schlichtweg nichts anderes zu bekommen war. Auch als morgendlicher Müsliersatz zusammen mit Bananenstücken und Kakaopulver musste er herhalten.

Das Exotischste, was uns an Essen begegnete, war Ameisensuppe mit Fleisch und Baumblättern. Wir machten uns nichts draus, denn Proteine sind Proteine und Kalorien lehnt man als Radreisender sowieso nicht ab. Auch ganz interessant war eine Mischung aus Reis und Kokosmehl, das in einem hohlen Bambusrohr am Feuer gedünstet wurde.

In Laos gibt es wie auch in China eine Vielzahl von Ethnien und Minderheiten, jedermann spricht heutzutage aber laotisch und spezifische Trachten haben wir so gut wie keine gesehen. Interessanterweise trugen einige Männer einen Wickelrock und sonst nichts weiter.

An Musik sahen wir vor allem traditionelle höfische Aufführungen für Touristen. Es wurde dann teilweise Khaen gespielt, eine Mundorgel aus Bambus, immer aber Ranynat – ein Zylophon mit Holztasten und Bambus-Resonanzkorper, Khong Vong – ein Gong aus Bronze und Soo – ein zweiseitiges Streichinstrument. Teilweise kamen auch Handtrommeln zum Einsatz. Gespielt wurden pentatonische Melodien.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass Laos während des 2. Indochinakriegs, bei uns meist vereinfachend Vietnamkrieg genannt, den traurigen Rekord des weltweit am stärksten bombardierten Landes errang. Die USA verpulverten in Laos im Kampf gegen die Vietkong, die Laos als Transportweg und Aufmarschgebiet gegen das amerikanisch besetzte Südvietnam nutzten, täglich eine Million Dollar. Das wurde damals vor der Öffentlichkeit geheim gehalten, so wie auch die Vietkong leugneten, sich auf laotischem Territorium zu bewegen. Die Schizophrenie ging so weit, dass amerikanische Bomberpiloten ihre Einsätze in Zivilkleidung flogen, weil es ja offiziell gar keinen Krieg in Laos gab. Meist kamen heutzutage völkerrechtlich geächtete Clusterbomben zum Einsatz, die noch in der Luft eine Vielzahl von Granaten freisetzen, welche dann auf einer großen Landfläche niedergehen. Etwa 30 Prozent dieser Granaten waren Blindgänger. Diese fordern im Land bis heute jährlich 300 Menschenleben. Auch touristische Ziele sind zum Teil von dieser Gefahr betroffen.

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Mit dem Fahrrad quer durch Europa und Asien