Thailand

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Thailand

Mitte Februar waren wir für ein paar Tage von Vientaine kommend durch Nordthailand gefahren, bevor wir bei Savannakhet wieder auf die laotische Seite des Mekongs wechselten. Anfang März waren wir dann aus Kambodscha kommend bei Aranyaprathet wieder ins Land gekommen und südlich an Bangkok vorbei an der Ostküste der Bucht von Thailand weiter nach Süden gefahren. Monika flog dann nach Deutschland zurück und ich radelte weiter entlang der Westküste gen Malaysia.

Insgesamt 28 Tage hatten wir uns im Land aufgehalten und waren 2200km geradelt. In Thailand war es dann noch wärmer als in Laos geworden. Bereits vor Sonnenaufgang herrschten bereits 25 Grad, tagsüber in der Sonne waren wir dann meist oberhalb von 40 Grad unterwegs. Wir waren mehr oder weniger ganztägig in Schweiß gebadet und bereits kurz nach dem Waschen oder Duschen war der vorherige verschwitzte Zustand wieder hergestellt. Wir salzten abends beim Kochen das Essen extra kräftig, um den Salzverlust wieder auszugleichen.

Augenscheinlich war in Thailand der deutlich höhere Entwicklungsstand und Lebensstandard im Vergleich zu Laos und Kambodscha. Uns als Radfahrern wurde das vor allem in Form von mehrspurigen Straßen, Ampelanlagen und einem recht hohen Motorisierungsgrad in Form von LKW’s, neuen, unverbeulten Limousinen und Pick-Up-Trucks vor Augen geführt. Der Höhepunkt an Infrastruktur war eine vierzehnspurige Straße, die wir bei Bangkok befuhren. So etwas hatten wir beide noch nie gesehen. In Thailand herrschte Linksverkehr und daran mussten wir uns erst gewöhnen. Auf kleinen unbefahrenen Straßen fuhren wir anfangs oft gewohnheitsmäßig unbewusst auf der rechten Seite, bis dann irgendwann Gegenverkehr von vorne kam und der jeweilige Fahrer etwas verdutzt dreinschaute.

Thailand ist ein Königreich und die Verehrung des Königs ist in der Verfassung festgeschrieben. Vor jedem Ortseingang und nahezu jeder öffentlichen Einrichtung hängt ein Bild des ehrenwerten Herrn. Der König ist offensichtlich recht multifunktionell eingestellt und passt sich mit seinem Äußeren sensibel an die jeweilige Umgebung an. So hängt beispielsweise am Ortseingang ein Bild von ihm mit Königsrobe und Machtinsignien, am Nationalparkeingang dann eines mit Cowboyhut und Fernglas, woanders dann ein Tierfreundfoto, wo er auf einem Plüschsofa sitzend mit zwei Sofahunden zu sehen ist. Klar, dass jeder einzelne Geldschein mit seinem Konterfei versehen ist, das in diesem Fall mit Scheitel und großer Brille daherkommt. Die Leute scheinen mit ihrem König aber recht zufrieden zu sein und sagen, dass er eine vernünftige Politik macht.

Thailand ist wie Laos ein mehrheitlich Theravada-buddhistisches Land. Da der Buddhismus auch andere Götter und Religionen neben sich duldet, haben sich auch vorbuddhistische animistische Glaubensfragmente erhalten. Vor vielen Häusern oder z.B. an unfallträchtigen Straßen gibt es sogenannte Geisterhäuser. In diesen wohnen die Phra Phum, Geister, die den jeweiligen Ort bewohnen und die in den Häuschen beschwichtigt und bei Laune gehalten werden. Dazu bekommen sie von den Leuten Speisen und Getränke vor ihre Häuschen gestellt. Die Geisterhäuser sehen in Thailand meist wie miniaturisierte buddhistische Tempel aus.

Entlang der Straßen waren zahlreiche Reisfelder und Kautschuk-Plantagen sowie einige Bananenpflanzungen zu sehen. Im Süden des Landes gab es auch zahlreiche Palmölplantagen und Kokospalmen. Regenwald sahen wir nur selten. Hin und wieder sahen wir Makaken auf den Beiwagen vorbeifahrender Motorräder sitzen. Wir erfuhren dann erstaunt, dass die Tiere zur Ernte von Kokosnüssen eingesetzt werden und es im Land regelrechte „Affenschulen“ gibt, in denen die Tiere die entsprechenden Befehle und die Erkennung verschiedener Reifegrade der Kokosnüsse erlernen.  

Wir besichtigten einen Nationalpark, in dem es Elefanten gab. Der Park war 1999 auf königlichen Befehl hin angelegt worden. In der Region war vorher Wald abgeholzt worden, um Plantagen anzulegen. Die hier lebenden wilden Elefanten drangen dann immer wieder in diese Pflanzungen ein und die Bauern machten entsprechend Jagd auf die Tiere. Da die Tiere dadurch stark in ihrem Bestand gefährdet waren, wurde der Park zum Schutz der Tiere angelegt. Da die Plantagen sich auf dem Gebiet befanden, wo die Elefanten zuvor insbesondere in der Trockenzeit zum Trinken und Baden hingekommen waren, mussten im übrigen Wald bzw. dem jetzigen Nationalpark künstliche Wasserreservoirs geschaffen werden. Zahlreiche Bauern, die sich im Wald angesiedelt hatten, wurden zwangsumgesiedelt. Der Wald, der an die Plantagen grenzte, wurde teils mit einem Elektrozaun umgeben, der die Tiere offensichtlich davon abhalten sollte, die „Grenze“ zum „Menschenland“ zu überqueren. Die in Parknähe lebenden Bauern und Plantagenbesitzer wurden im Falle des Eindringens von Elefanten in ihr Anbaugebiet zur Zusammenarbeit mit der Parkverwaltung verpflichtet und ihnen der Gebrauch von Schusswaffen zur Vertreibung oder Tötung der Tiere untersagt. Der Park ist stolz darauf, dass die Population der Elefanten seit Einrichtung des Parks von 80 auf 230 Tiere angewachsen ist und sich auch der Wildbestand insgesamt erholt hat, was neuerdings wiederum die Wiedereinwanderung des sehr seltenen asiatischen Tigers ermöglicht hat.

Ein ortsansässiger Thai erzählte uns allerdings, dass die Vergrößerung der Elefantenpopulation im Park vor allem auf Tiere zurückzuführen ist, die aus den angrenzenden burmesischen Wäldern hierher flüchten, weil sie in Myanmar vor allem wegen des Elfenbeins stark gejagt werden. Auch würden auch heute noch hin und wieder Elefanten von Plantagenbesitzern erschossen, wobei das allerdings deutlich seltener als früher der Fall wäre.

Monika musste irgendwann nach Deutschland zurück und ich fuhr weiter nach Ranong, wo ich mittels eines „Visaruns“ mein Thai-Visum verlängerte. Man reist dazu offiziell aus Thailand aus, in ein Nachbarland ein und sofort wieder in das Land ein, wo man gerade hergekommen ist. Ranong liegt an der birmesischen Grenze und ich überquerte in einem Holzboot, in dem noch eine Laotin zum selben Zweck mitfuhr, die Bucht zum nächstgelegenen birmesischen Ort, wo man seinen Pass stempeln und anschließend wieder zurückfahren kann.

In der Bucht herrschte reger Bootsverkehr. Alle möglichen Waren wurden hier zwischen den Ländern hin und her gefahren, auf dem Bug des jeweiligen Kahns stand meist ein Junge, der täuschend echte Hupgeräusche von sich gab, sobald sich ein anderes Boot näherte.

Im Süden Thailands traf ich einen 75 Jahre alten Radler, der aus Pommern stammte, heute in Vancouver lebt und jeden Winter nach Südostasien kommt, um hier auf Radreise zu gehen. Sein Lebensmotto ist: Wer rastet, der rostet. Wir unterhielten uns eine Weile und er erzählte mir von seinen vielen Erlebnissen und wie das Reisen in den Sechziger Jahren war, als es in vielen Ländern außerhalb der Hauptstädte noch gar keine Asphaltstraßen gab.

In der Nähe der Grenze zu Malaysia kam ich an einigen muslimischen Kommunen vorbei. Die Leute sind ethnische Malaien, einige Männer tragen einen langen Rock und haben einen Schnurrbart, die Frauen tragen Kopftücher. In dieser Gegend kann es passieren, dass am Straßenrand buddhistische Mönche entlang pilgern und auf dem Motorrad Muslime vorbei fahren. Unweit davon steht dann eventuell noch ein chinesischer Tempel, weil es hier auch eine chinesische Minderheit gibt.

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Mit dem Fahrrad quer durch Europa und Asien