Ungarn

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Ungarn         

An vier Tagen war ich in Ungarn unterwegs und legte 400 km zurück. Über die Donau kam ich in Kumarum ins Land und verließ es südlich von Baja wieder. Irgendwo zwischen Kumarum und Esztergom traf ich die beiden Radler Andre aus Berlin und Kaspars aus Lettland. Die beiden wollten nach Budapest und ich schloss mich ihnen an. Die beiden hatten wenig Gepäck dabei und waren entsprechend flott unterwegs. So kam ich auf meinem schwer beladenen Drahtesel ordentlich ins Schwitzen. Am späten Abend erreichten wir Budapest und nächtigten in der Wohnung eines Freundes einer Bekannten Andres. Die Wohnung war groß, stilvoll eingerichtet und es gab zahllose Bilder an den Wänden. Der nicht anwesende Wohnungsbesitzer war ein Professor, der mal Thoralehrer war und auf dem Tisch stand eine Flasche koscherer Edelwein aus dem Jahr 2000, die wir durstig vertilgten.

Am nächsten Tag schauten wir uns auf dem Rad die Stadt an. Hier hatten sich Lidl, Penny Markt, Rossmann, dm-Markt, Allianz und Praktiker breit gemacht und die EU-Osterweiterung sah auch hier ein bisschen nach Deutschland-Osterweiterung aus. Mein weiterer Weg führte entlang der Donau durch die ungarische Tiefebene. Wind, der die weite Ebene entlang fegt und die Ähren in den Getreidefeldern wie Meereswellen wogen lässt, Hirten, die mit ihrer Schafsherde die grasbewachsene Ebene entlang ziehen, vorbeifahrende Pferdefuhrwerke, Dörfer mit urigen Bewohnern, Männer, die mit der Sichel am Wegesrand Grünzeug schneiden – das war die Gegend, wie ich sie erlebte.

In Baja sprach mich ein achtzigjähriger Mann auf deutsch an. Er hieß Tibor, war ein Alt-Revolutionär, der in den Fünfziger Jahren aus Ungarn vor den Sowjets fliehen musste und zunächst in Titos Machtbereich, später in Frankreich und dann in Deutschland Zuflucht fand. Er hatte früher auch ausgedehnte Radtouren unternommen, weswegen er sich über die Maßen freute, mich zu treffen. Fachmännisch begutachtete er mein Rad und das Gepäck und meinte, dass ich gut ausgerüstet bin. Ich solle aber schauen, dass die Kette immer gut geölt ist und die Vorderradtaschen nicht zu schwer gepackt sind. Ich versprach, seinem Ratschlag zu folgen und fuhr weiter in Richtung serbische Grenze.

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Mit dem Fahrrad quer durch Europa und Asien