Usbekistan

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Usbekistan

Mit einem Flieger war ich aus Indonesien nach Taschkent gekommen. Von dort fuhr ich mit dem Zug nach Buchara und befand mich nun wieder auf meiner ursprünglich geplanten Route. Von hier fuhr ich nach Samarkand und über Denau zur tadschikischen Grenze. Ich hielt mich fünfzehn Tage im Land auf und fuhr 790km mit dem Rad. Es war gerade Ramadan, als ich hier war. Das war nun bereits der zweite Ramadan auf meiner Tour und zumindest daran merkte ich, dass ich nun seit über einem Jahr unterwegs war.

Taschkent hatte Polizeistaatscharakter, praktisch überall hingen Überwachungskameras und Polizisten hielten Autos an oder kontrollierten Leute an der U-Bahn. Außerhalb der Hauptstadt verlor sich diese Kontrollwut zum Glück. Usbekisch ist eine Turksprache und einige Wörter kamen mir noch aus der Türkei bekannt vor, manche aber auch aus dem Iran. Viele der Leute im mittleren Alter und darüber hinaus sprechen zusätzlich russisch. Die jüngeren Leute, die ich unterwegs traf, sprachen hingegen meistens weder russisch noch englisch und es ist ein gewisser sprachlicher Desintegrationsprozess zu beobachten.

Usbekistan ist muslimisch geprägt, wobei die einen Leute mehr, die anderen weniger gläubig sind. Am Ramadan beteiligen sich rund 50 Prozent der Bevölkerung, viele trinken gelegentlich auch Alkohol und in Bezug auf die muslimischen Verhaltensregeln ging es in Usbekistan genau so heterogen zu, wie ich das schon in der Türkei beobachtet hatte. Die historischen Moscheen werden jedoch heutzutage nicht mehr als Gotteshäuser genutzt, gebetet wird wenn überhaupt meist zu Hause.

Die durchradelte Gegend war sehr geschichtsträchtig. Alexander der Große war hier einst mit seinem Heer durchgezogen, Amir Temur, dessen Name auf Straßen und Plätzen in scheinbar jeder Stadt in Usbekistan zu finden ist, begründete das größte und zugleich kurzlebigste Reich Zentralasiens, das sich einst von Ägypten bis Kaschgar in China erstreckte und den Herrschaftssitz in Shahrisabz, Usbekistan hatte. In Buchara und Samarkand hatten mehrere Herrscherdynastien, die durch den Handel entlang der Seidenstraße reich geworden waren, Prunkgebäude errichtet, die zum Teil bis heute erhalten sind und der Gegend ihren architektonischen Seidenstraßencharakter verleihen. Auf dem Weg nach Tadschikistan fuhr ich auf einer Straße entlang, die die rote Armee nach dem ersten Weltkrieg gebaut hatte. Sowjetische Bausubstanz ist natürlich auch überall zu finden.

Dort, wo es Bewässerung gab, sah ich entweder Baumwollfelder oder Obstplantagen. Die Leute bauten wie in Georgien auf ihren Höfen Wein an, der in Form eines natürlichen Daches wächst und Schatten spendet. Wenn man dann gerade Lust auf Weintrauben hat, greift man einfach nach oben und pflückt sich etwas herunter. Auch Unmengen an Wassermelonen gab es. Dort, wo es keine Bewässerung gab, herrschte allerdings Steppe und Wüste vor.

Tagsüber herrschten bis zu über vierzig Grad im Schatten, mit dem Haken, dass es meistens keinen Schatten gab. Das Radfahren war unter diesen Bedingungen eine ganz spezielle Erfahrung, insbesondere, wenn ich mich gerade in einer kargen, wüstenhaften Gegend befand. Auf der Straße war es so heiß, dass die Sohlen meiner Sandalen anfingen sich aufzulösen. Wenn Wind wehte, fühlte der sich oft wie ein Heißluftföhn an und selbst die kleinste Steigung musste ich oft schieben. Häufig stieg ich mittags auf einem Bauernhof ab, wo ich dann mit Melone, selbstgebackenem Fladenbrot, Weintrauben, Tee und mit saurer, selbstgezapfter Milch, verdünnt mit kaltem Wasser, bewirtet wurde. Letzteres war erfrischend, herb und extrem lecker. Wenn unterwegs die Sonne anfing, mein Hirn auszudörren, hatte ich häufig Geschmackshallizunationen, die dann meist dieses Getränk, manchmal aber auch kalte saure Gurken, warum auch immer, zum Inhalt hatten. Auf jeden Fall verstand ich, wie es sich für die Karawanen-Reisenden vergangener Zeiten angefühlt haben musste, wenn sie nach längerer Zeit mal wieder eine Oase erblickten.

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Mit dem Fahrrad quer durch Europa und Asien